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Warum ich KEINE Facebook Werbung schalte…

Mit Facebook Ads habe ich beruflich seit ca. 4 Jahren zu tun. Nebenbei habe ich privat an einem Java Crashkurs für Anfänger gearbeitet und als ich diese Woche den Kurs bewerben wollte, lag es also nah auch Facebook Ads zu schalten.

Ich drehte kurze Video-Clips, in denen ich zu meinen potenziellen Kunden sprach, richtete ein neues Werbekonto ein, baute eine Landing-Page und war nach ca. 4 Tagen Arbeit damit fertig.

Kurz nach dem ich die Facebook-Anzeigen schaltete, bekam ich per E-Mail eine Benachrichtigung, dass mein Werbekonto deaktiviert wurde.

Ich soll gegen Facebook-Werberichtlinien verstoßen haben. Eine Begründung gab es nicht. Aber den Hinweis, dass ich Widerspruch dagegen einlegen und den Sachverhalt prüfen lassen kann.

Ich dachte mir „Naja, ist halt eine Maschine dahinter und wird ein Versehen gewesen sein“ und bat um eine Begründung:

Eine Antwort bekam ich ich heute Morgen um 6:26. Ob sich ein Mensch damit beschäftigt hat oder nicht, kann ich nicht sagen. Die Antwort ist nicht individuell und die Pause zwischen meiner Anfrage und der Antwort dauerte etwas mehr als 13 Stunden.

Um die Support-Kosten zu senken, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die ersten Anfragen automatisiert abgearbeitet werden. Also hakte ich nochmal nach und bat um eine Begründung:

Fünf Minuten später gab mir jemand (oder etwas) von Facebook deutlich zu verstehen, dass ich keine Begründung bekomme, das Konto deaktiviert bleibt und diese Entscheidung endgültig ist:

Ergebnis: Mein Werbekonto ist dicht und ich weiß nicht warum.

Plattformen sind Fluch und Segen zugleich

Es gilt nicht nur für Facebook, sondern alle anderen Plattformen auch. Eine Handvoll Marktplätze und Portale konzentrieren den Großteil des Internet-Traffics ihrer Nische auf sich.

Ob das Facebook (inkl. Instagram und WhatsApp) in den sozialen Medien, Google-Suchmaschine im Bereich der Internet-Navigation, YouTube im Video-Segment oder Amazon im eCommerce ist.

Dank dem Netzwerk-Effekt ist das Wachstum der jeweiligen Nr. 1 exponentiell und führt unweigerlich zum Monopol. Mit all seinen Vor- und Nachteilen für die Nutzer.

Vorteil: Die Nutzerzahl und das Angebot wächst.

Nachteil: Die Plattform diktiert die Spielregeln und ändert sie einseitig nach Lust und Laune.

Auch die Zufriedenheit der Kunden ist eine Mischkalkulation.

Wenn 95% zufrieden sind, kann man auf die restlichen 5% der unbequemen Sonderfälle verzichten.

Existenzängste sind inklusive

Die Hunderttausende von Menschen, die ihre Existenz auf einer der Plattformen begründen, spielen russisches Roulette.

Egal ob es die Facebook Gruppe, der YouTube-Channel oder der Seller-Account bei Amazon ist – die Existenzangst sitzt mit am Tisch.

Wer 2006 bei eBay (der damaligen Nr. 1 im eCommerce) noch Händler war, weiß wovon ich schreibe. Kaum etwas fürchtete der Händler so sehr, wie eine E-Mail aus der Performance-Abteilung von eBay, die einen über die Kontoschließung informierte.

Damals leistete der Markplatz regelrechte Erziehungsarbeit der Online-Kundschaft. Dank dem internen Bewertungssystem waren Händler erpressbar und dies sprach sich schnell rum.

Entweder der Händler gab im Nachhinein großzügige Rabatte oder die Produkte gar gratis raus, oder es drohte die schlechte Bewertung und Beschwerde seitens der Kunden, die zur Sperrung des Händler-Accounts führen konnte.

Wehren konnte sich der Händler kaum, also spielte er zu seinen Lasten mit.

Die Sprache der Plattformen

Die Nr. 1 von damals ist heute Nr. 2. Die deutschen Händler suchten nach Alternativen und fanden sie bei Amazon.

14 Jahre später hat sich an der Existenzangst der Händler nichts geändert. Nur der Name der Plattform ist heute eine andere.

An der Geschichte von eBay sehen wir, welche die einzige Sprache ist, die Plattformen verstehen: Sie heißt Boykott.

Denn nur wenn Nutzer abwandern, findet ein Umdenken statt. Vorher ist keine Änderung zu erwarten.

Bei eBay wurde dieser Prozess in Gang gesetzt und heute ist die Asymmetrie zwischen Käufern und Händlern nicht mehr so groß. In gewisser Weise werben sie sogar um neue Händler, denn der Konkurrent baut seinen Vorsprung weiter aus.

Trotzdem sind Facebook, Amazon und eBay nur Stellvertreter für das grundsätzlich selbe Problem: Zentralisierte Plattformen.

Was nun?

Die Performance-Abteilungen der eCommerce-Giganten sind nicht erreichbar und interessieren sich auch nicht für Einzelschicksale.

Facebook und YouTube sperren Gruppen, Seiten und Kanäle. Begründung: Verstoß gegen Richtlinien. (Dessen Interpretation kein Gericht, sondern die Plattform selbst übernimmt.)

Oft landen Jahre investierter Arbeit in der digitalen Mülltonne.

Und wer sein Einkommen daraus erwirtschaftet hat, muss oft vom Neuen beginnen.

Aus diesem Grund habe ich für mich folgende Regel abgeleitet.

Begründe eine Existenz auf keinen Fall auf einer Plattform.

Dass Facebook ohne Begründung mein Werbekonto gesperrt hat, wundert mich nicht. Es passt in das Bild, dass ich mir in den vergangenen 20 Jahren von Plattformen gebildet habe:

Nutze, aber verlasse dich nicht auf sie.

Gibt es Alternativen?

Die Blockchains schaffen aktuell die Infrastruktur. Die Anwendungen werden bald folgen.

Ich bin mir sicher, dass der Druck, alternative Lösungen auf den Weg zu bringen, steigt. Denn das Problem liegt in der zentralistischen Struktur aktueller Plattformen.

Sie sind anfällig für Angriffe seitens der Politik. Wie z.B. das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das die Plattformen zur Zensur verpflichtet. Zuwiderhandlung hätte negative Folgen für die Plattformbetreiber, weshalb sicherheitshalber lieber mehr als weniger zensiert wird.

Auch kann es leicht passieren, dass der Wind im Umgang mit Plattform-Kunden sich dreht, wenn der CEO wechselt.

Die einseitige Erstellung, Anpassung und Interpretation der Regeln sind das Problem.

Dezentrale Plattformen als Lösung?

Mir scheint, dass die nächste Evolutionsstufe dezentrale Plattformen sind.

Also Marktplätze und Portale, dessen Regeln in digitalen Verträgen festgehalten sind, auf die sich die Anwender der Plattformen einigen und dessen Einhaltung von einer Vielzahl an Knotenpunkten unabhängig von einander sichergestellt wird.

Zumindest könnten solche Plattformen der dezentralen Architektur des Internets Rechnung tragen und die jetzigen Monopole aufbrechen.

Warum sollte es nicht eine Blockchain geben, die dezentral gegen Gebühren Identitäten prüft, sicherstellt und bestätigt?

Oder ein dezentrales Schiedsgericht, dass im Streitfall eine Entscheidung trifft? Verlierer trägt die Kosten.

Dezentrale Payment Gateways für Online-Shops und offene durchsuchbare Produktkataloge, die Käufer und Verkäufer mit geprüfter Identität zusammenbringt?

Dezentrale soziale Netzwerke, dessen Akteure nicht zensierbare Inhalte Teilen können. Deren Identität aber für die Strafverfolgungsbehörden einmalig freigegeben wird, sobald ein unabhängiges Gericht den Inhalt als illegal eingestuft hat.

In meinem Fall ist Facebook Ankläger und Richter zugleich. In dem dezentralen sozialen Netzwerk, das Facebook ersetzen wird, werde ich ohne Weiteres eine Begründung im Fall einer Kontosperrung bekommen.

Was meinst du? Zu utopisch?

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